Asia Filmfest 2008
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München, 30. Okt. - 9. Nov. | Berlin & Hamburg, 14. - 16. Nov. 2008  
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TOKYO SONATA
Drama
Japan / Niederlande / Hongkong 2008 · 119 Min. · Regie: Kiyoshi Kurosawa
Darsteller: Teruyuki Kagawa, Haruka Igawa, Kanji Tsuda u.a.
Weltvertrieb: Fortissimo Films
35mm · OmeU · Deutschlandpremiere
Website | Filmtrailer

Regisseur Kiyoshi Kurosawa ist ein filmisches Chamäleon. Mit PULSE verpasste er dem JHorror- Genre eine ordentliche Endzeitinfusion, sein Serienkillerthriller CURE sezierte die Macht des Bösen in der Tradition von David Lynch, das Pinkueiga THE EXCITEMENT OF THE DO-RE-MI-FA GIRL verquickte Comedy, Musical und Sexfilm, und um Kurosawas weitere Werke wie LICENSE TO LIVE, CHARISMA und BARREN ILLUSIONS zu huldigen, fehlt hier leider der Platz.
Auch mit seinem neusten Film überrascht er wieder. In einer unvergleichlichen Mischung aus Melancholie, leisem Humor und präzisen Beobachtungen folgt Kurosawa dem unaufhaltsamen Niedergang einer japanischen Durchschnittsfamilie. Patriarch Ryuhei Sasaki (Teruyuki Kagawa) hat seinen angesehenen Job verloren, ohne Vorwarnung, ohne Anerkennung seiner bisherigen Verdienste. Den Respekt seiner Familie will er sich jedoch bewahren, deshalb verlässt er auch weiterhin jeden Morgen brav das Haus, Aktentasche unter dem Arm, um geregelte Normalität vorzugaukeln. Auch daheim verbergen sich hinter der Fassade des Durchschnittshaushalts die Abgründe traditioneller Familienverständnisse und sozialer Zwänge. Die Mutter investiert ihre gesamte Energie in Putzen, Kochen und Kindererziehung, der älteste Sohn verlässt das Haus, um der amerikanischen Armee beizutreten, der jüngere Sprössling wünscht sich nichts sehnlicher als Klavierunterricht. Alle Schicksale, verwoben durch familiäre Bande, sind geprägt von der Unfähigkeit, sich trotz großer körperlicher Nähe auch auf emotionaler Ebene näher zu kommen.
Wie in Zeitlupe lässt Kurosawa die Normalität der Mittelschicht implodieren und richtet den Blick mit unerbittlicher Beharrlichkeit auf die Malaise der japanischen Gesellschaft. Die Einblicke in den Alltag der Familie durchzieht ein kaum greifbares Grauen, meisterhaft kreiert durch Kurosawas Gespür für Atmosphäre und Sounddesign. Die Chance, dieses schlicht meisterhafte Stücks Kino auf der großen Leinwand erleben zu dürfen, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Denn mit seinen leisen Tönen, der eindringlichen Charakterzeichnung und subtiler Ironie zeigt Kurosawa mit TOKYO SONATA, dass er derzeit zu den ambitioniertesten und besten Filmemachern der Welt zählt. (gm)
In brillanter Weise operiert Kurosawa gekonnt mit allen emotionalen Tonlagen, von tragischer Situationsverdichtung bis humorvoller Ironie, von psychologischer Detailstudie zu slapstickartigen Einlagen. Er zeigt eine erkrankte Gesellschaft, in der alte Rollenklischees nur noch eine unkontrollierbare Folge von Fehlhandlungen und Missverständnissen in Bewegung setzten. (Schnitt)

 
TOKYO SONATA is a portrait of a seemingly ordinary Japanese family. The father who abruptly loses his job conceals the truth from his family; the eldest son in college hardly returns home; the youngest son furtively takes piano lessons without telling his parents; and the mother, who knows deep down that her role is to keep the family together, cannot find the will to do so. From the exterior, all is normal and the same. But somehow, a single, unforeseeable chasm has appeared within the family, only to spread ever so quietly and quickly to disintegrate them. (Cannes Film Festival)
Kyoshi Kurosawa
Geboren 1955 in Japan. Arbeitet als Regisseur, Editor, Drehbuchautor und Schauspieler. Inzwischen weltweit bekannt durch seine düsteren und nihilistischen Thriller und Horrorfilme. Zu seinen über 30 Regiearbeiten zählen CURE, PULSE, DOPPELGANGER, LOFT und RETRIBUTION. Die Dramen BRIGHT FUTURE und TOKYO SONATA wurden in das offizielle Programm des Cannes Film Festivals eingeladen; TOKYO SONATA (Un Certain Regard) gewann den Jury-Preis.
 
 
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